
Ende des 19. Jahrhunderts hatten Metallurgen erkannt, dass Schmiedeeisen unter Zugabe von Molybdän-Metall zu Hochleistungsstahl veredelt werden kann. Die so entwickelten Stähle eigneten sich besonders für Geschützrohre und hochbeanspruchte Maschinenteile.
Zahlreiche Chemiker begannen Verfahren zur Gewinnung von Molybdän zu entwickeln. Am 21. Januar 1911 gründete der Kaufmann Walter G. Stolper (1882-1978) aus Halle (Saale) die Deutsche Molybdän-Werke GmbH (DMW). Er brachte ein Verfahren zur Herstellung von Molybdän aus Ofensauen1 in die Firma ein.
Am 3. November 1911 erteilte der Bezirks-Ausschuss zu Merseburg die Genehmigung zum Bau der Molybdänfabrik in Teutschenthal. Der Standort war gut gewählt: Das Gelände lag in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Teutschenthal. Damit bestand eine Bahnverbindung nach Eisleben, wo die Mansfelder Bergwerksbahn mündete und so die Rohstoffe kostengünstig nach Teutschenthal transportiert werden konnten.
Abb.: Lageplan „Deutsche Molybdän-Werke“ am Bahnhof Teutschenthal, 1912 (Foto: Landesarchiv Sachsen-Anhalt)2
1912 schloss die DMW mit der Mansfeld´sche Kupferschiefer bauende Gewerkschaft (MKG) einen Vertrag über fünf Jahre zur Abnahme der bislang als wertlos geltenden und auf Halden abgesetzten Mansfelder Ofensauen ab, um daraus Molybdän zu extrahieren.
Zu Beginn des Ersten Weltkrieges kam es zu einer starken Nachfrage nach Edelstählen. Doch woher sollten die Rohstoffe zur Molybdänherstellung kommen. Molybdänglanz (MoS2) zu importieren, war nicht mehr möglich. Brauchbare Molybdänerze gab es in Garmisch-Patenkirchen, allerdings mit einem geringen Mo-Gehalt. Die Vorräte an Ofensauen reichte im Dezember 1916 nur noch für 10 Monate aus. Daraufhin machte die DMW der MKG den Vorschlag, die bisher auf Halden abgesetzten Schlacken zur Molybdängewinnung einzusetzen. Es wurde eingeschätzt, dass bei einer Produktionsmenge von 600 Tonnen Molybdän pro Jahr, die in Jahrzehnten aufgeschütteten Halden noch 100 Jahre als Rohstoff reichen würden. Am 22. Dezember 1916 machte die DMW der MKG den Vorschlag, „[…] Im vaterländischen Interesse […] eine Interessengemeinschaft zu dauernden Ausnutzung dieses Molybdaenbesitzes zu schließen.“3
Die MKG in Eisleben hatte jedoch erkannt, dass mit Molybdän gutes Geld zu verdienen war. Der Vertag von 1915 zur Lieferung von Ofensauen an die DMW wurde nicht verlängert und eine Interessensgemeinschaft kam nicht zustande.

Die Lieferungen der molybdänhaltigen Gelbblei-Erze (PbMoO4) der Gewerkschaft Werdenfels in Hammersbach (Oberbayern) neigten sich 1916 ihrem Ende entgegen. Weitere Rohstoffquellen wurden dann in Nassereit (Österreich) erschlossen, wo in einem Bergwerk ebenfalls das Gelbblei-Erz zur Gewinnung von Blei gefördert wurde. Dabei wurde die Lieferung von monatlich 50 Tonnen Erz zur DMW vereinbart.
Auch im Richelsdorfer Gebirge bei Gerstungen wurde der Rohstoff gefunden. Dort gab es bis 1850 einen Kupferschiefer-Bergbau und jahrhundertalte Abfallhalden. Bei einer Messung zeigte sich, dass in dem Kupferschieferflöz und in den Halden so viel Molybdän enthalten ist, dass Deutschlands Molybdänversorgung für 100 Jahre gesichert schienen. Ein Zweigwerk der DMW zwischen Obersuhl und Untersuhl wurde geplant und 1918 mit dem Bau begonnen. Von dem geplanten Werk wurde allerdings nur ein Teil fertiggestellt. Noch bevor die Produktion beginnen konnte, endete der Krieg und die Anlagen wurden wieder abgebaut.
Auch die Chemische Fabrik Griesheim-Elektron (CFGE) aus Bitterfeld hatte erkannt, dass mit der Produktion von Ferrolegierungen ein lohnendes Geschäft zu machen war. Sie kaufte am 7. Januar 1921 das Teutschenthaler Werk mit einer Kaufsumme von 9 Mio. RM.
Im November 1924 begann die Verlagerung der Produktion von Teutschenthal in das Werk Nord der CFGE nach Bitterfeld und die Produktion in Teutschenthal wurde eingestellt.
Abb.: Seit 1990 nutzt der Gleisbau Röblingen die Gebäude der DMW, 2025 (Foto: Günter Matter)
Nachweise
- Ofensauen sind ein eisenreiches Nebenprodukt der Kupfergewinnung, die in geringer Konzentration Beimengungen, wie kohlenstoffarmes Eisen, Nickel, Kobalt, Schwefel, Phosphor, Silizium, Arsen, Rhenium, Gallium und Molybdän enthalten. ↩︎
- LASA WER, H 229, Nr. 10. ↩︎
- Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Abt Wernigerode (LASA WER), H 229, Nr. 10, S. 10ff. ↩︎