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Die Aluminium-Werke von Grabau in Trotha

Ein Beitrag von Günter Matter.

1892 baute Ludwig Grabau (1848-1915) in Trotha die „Grabaus Aluminium-Werke“ auf und stellte im Reduktions-Verfahren Rein-Aluminium her. Zu der Zeit war es die einzige Aluminium-Fabrik in Deutschland.

Friedrich Wöhler (1800-1882) stellte 1827 erstmals durch chemische Reduktion Aluminium her. Der Nachweis des neuen Elements blieb lange Zeit nur von wissenschaftlichem Interesse. Erst der französische Chemiker Sainte-Claire Deville (1818-1881) erkannte die wirtschaftliche Bedeutung des leichten Metalls (Dichte 2,7 g/cm3). Zu Beginn reduzierte Deville Aluminiumchlorid mit teurem Kalium und stellte 1854 Aluminium zum Preis von 2.400Mark/kg her (annähernd so viel wie der Preis von Gold).

Nachdem das Reduktions-Verfahren immer weiter verbessert wurde, sank der Aluminiumpreis bis 1857 auf 240 Mark/kg. 1864 entwickelte Deville die erste Aluminium-Legierung (Aluminiumbronze), die wegen ihrer Härte und des geringen Gewichts für militärische Ausrüstungsgegenstände geeignet war. Ab diesem Zeitpunkt entwickelte sich in Frankreich ein Markt für Aluminium als technischer Gebrauchswerkstoff.

Die erste Aluminium-Fabrik in Deutschland war die Aluminium- und Magnesium-Fabrik Patent Grätzel, die 1885 in Hemelingen bei Bremen ihren Betrieb aufnahm. Der Preis des in Hemelingen hergestellten Aluminiums lag 1886 bei 70 Mark/kg. 1888 wurde die Produktion aus Kostengründen wieder eingestellt.

Auch Ludwig Grabau (1848-1915) hatte umfangreiche Untersuchungen zur Herstellung von Aluminium angestellt. Mit seinem Patent DRP 47031 Darstellung von Aluminium vom 15. November 1987 erweckte er neue Hoffnungen für eine rentable Aluminium-Produktion. Grabau reduzierte preiswertes Aluminiumsulfat (Al2SO4) mit Kryolith (Na3[AlF6]) zu Aluminiumfluorid (AlF3), um es anschließend mit Natrium zu Aluminium umzusetzen.

Abb.: Zivil-Ingenieur Joseph Lebrecht Ludwig Grabau (1848-1915) (Foto: VDI-Zeitschrift, 1916)

Der Vorteil des Verfahrens war, dass der teure importierte Rohstoff Kryolith im Kreislauf immer wieder zu künstlichem Kryolith zurückgebildet wurde.

Unerwartet sank 1890 der Preis für Aluminium auf 4 RM/kg. Das elektrolytische Schmelzfluss-Verfahren, hatte 1888 in Neuhausen in der Schweiz Einzug in die Produktion genommen. Trotzdem hielt Grabau an dem Vorhaben eine Aluminium-Fabrik zu bauen fest. Nachdem er die Planung abgeschlossen und Geldgeber für das Unternehmen gefunden hatte, gründete er am 15. Mai 1992 die Grabau’s Aluminium-Werke in Trotha. Es war die zweite, zu dieser Zeit die einzige Aluminium-Fabrik in Deutschland.

Joseph Lebrecht Ludwig Grabau wurde am 6. März 1848 in Bremen geboren. Er besuchte bis zum 14. Lebensjahr die Bürgerschule in Bremen und ging anschließend zur Berufsausbildung zur Firma Wilhelm Werder nach Nürnberg. Bei der Maschinenbau A.G. in Dahlbruch und in der Maschinenfabrik Rich. Barmes in Great Yartmouth in England setzte er seine Ausbildung fort. Von 1866 bis 1870 besuchte er das Polytechnikum in Hannover. 1883 begann er sich mit der Gewinnung von Aluminium zu beschäftigen.

Für den Bau seines Aluminium-Werkes hatte sich Grabau ein Grundstück in der Gemeinde Trotha gesichert. Die Standortwahl war damit begründet, dass es im Norden von Halle (Saale) reiche Kaolinvorkommen gab, die in der Chemiefabrik Alaune nahe der Ortschaft Morl zu Aluminiumsulfat verarbeitet wurden.

Grabau’s Aluminium-Werke hatten einen eigenen Gleisanschluss, eine Gasanstalt und eine Dynamo-Maschine, angetrieben von einer 500 PS Dampfmaschine. Die Feuerung für die Dampfmaschine erfolgte mit der im Tiefbau gewonnenen Braunkohle die über eine Kohlen-Bahn aus der Grube Karl Ernst vom Posthorn angeliefert wurde.

Wie Wilhelm Borchers (1856-1925), Professor für Metallurgie an der TH Aachen, berichtete, konnte er die Reaktionsabläufe der Aluminium-Herstellung nach Grabau vor Ort studieren. Er protokollierte, dass nach dem Grabau-Verfahren Ausbeuten bis nahe 90 % und Reinheiten bis 99,8 % erzielt werden.

Nach den Planungen von Grabau sollte die Fabrik pro Jahr 60 t Aluminium, 240 t Chlor, 400 t künstlichen Kryolith und 2.400 t Gips herstellen.

Auch die Grabau’s Aluminium-Werke führten das Elektrolyse-Verfahren ein. Aber nicht zur Produktion von Aluminium, sondern zur Herstellung von Magnesium.

1896 gab es von der Firma Engels & Konsorten in Trotha Beschwerden, dass von den Grabau-Öfen bei ungünstig stehendem Wind Belästigungen und Gesundheitsgefährdungen ausgingen. Auch die Kinder der in der Nähe befindliche Schule waren von der Luftverschmutzung betroffen. So wurden Grabau’s Aluminium-Werke 1897 auf Beschluss des Gemeinderates von Trotha geschlossen.

Ludwig Grabau zog sich nach der Schließung der Firma auf sein früheres Fachgebiet den Dampfmaschinenbau zurück, arbeitete zunächst bei der Maschinenbau A.G. in Dahlbruch und war später als selbstständiger Ingenieur tätig. Er starb am 13. November 1915.

Im Gesellschafts-Register von Halle (Saale) steht als letzter Eintrag zu Grabau’s Aluminium-Werke: „10. Juli 1939, Die Gesellschaft ist aufgelöst – Die Firma ist erloschen“.1

Abb.: Grabaus Reaktionsapparatur: A Heizkammer, B Feuerung, C Abgasschlot, D Retorte mit Bodenverschluss s zur Aufnahme der Aluminiumsulfat-Aluminiumfluorid-Mischung, E Retorte mit Bodenverschluss h zur Aufnahme von Natrium, F wassergekühltes Reaktionsgefäß. (Foto: DRP 47031)


Nachweise

  1. LASA MER, C 110, Halle, Nr. 1354, Blatt 99. ↩︎

Literaturverzeichnis